Folge 23 · Christoph Gum

Ex-Private-Banker verrät: Das machen Reiche im Crash

Wie Christoph Gum eine selbst gebaute KI Muster in Kursdaten suchen lässt, warum er auf Stop-Loss verzichtet und was sein Alpha AI Leaders wikifolio damit zu tun hat.

Irankrieg, Handelskriege, US-Zollschock – und Christoph Gum bleibt voll investiert. Der Ex-Credit-Suisse-Private-Banker und Gründer von Private Alpha lässt eine selbst entwickelte KI nach Mustern in Kursdaten suchen, die er allein nie sehen würde. Nur eines nimmt er ihr ausdrücklich nicht ab: die Entscheidung.

Christoph Gum ist Ex-Credit-Suisse-Private-Banker, Gründer von Private Alpha und betreibt mit Alpha AI Leaders eines der größten KI-gestützten wikifolios Europas. Im Gespräch erklärt er, wie sein Team den Deep Pattern Transformer gebaut hat, was er in Jahren mit Ultra-High-Net-Worth-Kunden über Disziplin gelernt hat und warum bei ihm am Ende immer ein Mensch entscheidet.

„Kein Mensch weiß, was morgen passiert am Kapitalmarkt. Du hast immer nur eine Wahrscheinlichkeit."
– Christoph Gum

🤖 Frag [Bulle & Mensch]

Was hat Christoph Gum zu diesem Thema gesagt? Die KI durchsucht diese Folge und alle anderen nach seinen Original-Aussagen – mit Timestamp und Fundstelle.

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Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Superreiche haben keine Geheimformel: Sie haben eine Nische, in der sie richtig gut sind, gute Berater, Disziplin, Prozess, Geduld und Mut – und sie machen dieselben Fehler wie alle anderen auch.
  • Mut heißt bei ihnen konkret: nicht verkaufen. Christoph Gums Beobachtung aus der Finanzkrise: „Ich habe niemanden erlebt, der den perfekten Trade unten erwischt hat." Es gehe nicht um den perfekten Einstieg, sondern darum, einen Fehler weniger zu machen.
  • Weder Mensch noch Maschine kennen die Zukunft – beide arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten. Wer glaubt, eine KI wisse alles, verwechselt Überzeugungskraft mit Wahrheit.
  • Die härteste Grenze datengetriebener Modelle sind Muster, die es in den Daten noch nie gab. Corona war genau so ein Fall – trotz Indexdaten zurück bis 1929.
  • Kein klassischer Stop-Loss: „Also wir sind keine Fans von Stop Loss." Er löse meist im ungünstigsten Moment aus, während die Märkte immer blitzartiger werden.
  • Statt Stop-Loss wird geerntet: Positionen starten bei rund zwei Prozent, werden auf vier Prozent aufgestockt und laufen gelassen – „Man sät und man erntet, wie in der Landwirtschaft."
  • Volatilität wird bewusst zugelassen: Ohne Vola gebe es auch keine hohen Renditen. Kursrutsche aus einer einzelnen Nachrichtenlage heraus sieht er eher als Gelegenheit denn als Gefahr.

Wie Christoph Gum aus einem AlphaGo-Video den Deep Pattern Transformer gemacht hat

Der Auslöser für Private Alpha war ein Video: der Sieg der DeepMind-KI AlphaGo gegen den Weltmeister im Brettspiel Go. Wenn sich derart komplexe Daten mit Deep Reinforcement Learning bearbeiten lassen, so Christoph Gums Gedanke, dann müsste sich auch die hochkomplexe Finanzwelt besser bearbeiten lassen. Mit dieser These ging er zu seinen ersten Investoren, verließ die Credit Suisse und gründete Anfang 2018 Private Alpha.

Die ersten Jahre beschreibt er als harte Jahre – inklusive Ex-Kollegen, die ihn auslachten. Daraus entstand über mehrere Anläufe die Grundlagentechnologie CÆSAR DPT, ein Deep Pattern Transformer: ein neuronales Netz, das eigens für Zeitreihen in Finanzdaten trainiert wurde. Den Namen erklärt er selbst nüchtern: ChatGPT stehe für Generative Pre-trained Transformer, bei ihm sei es eben der Deep Pattern Transformer. Dass ein Modell auch scheitern kann, hat sein Team beim Vorgängermodell erlebt: Geschwindigkeit von Crash und Rebound während Corona waren ein Muster, das in keinem seiner Datensätze vorkam.

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So funktioniert Christoph Gums Mensch-Maschine-Strategie

Universum: ein laufend überwachtes AI-Leaders-Universum von rund 140 Unternehmen, mit taktischer Gewichtung von Enabler- und Cloud-Werten wie NVIDIA, Microsoft und Micron.

Analyse: CÆSAR DPT wertet Kursdaten und Muster aus; im eigenen Terminal entstehen daraus unter anderem Market-Risk-Reports, Drawdown-Indikatoren und Fixed-Income-Modelle.

Entscheidung: Am Ende des Tages entscheidet das Team, welche Aktien gekauft und verkauft werden – Symbiose aus Mensch und Maschine statt Vollautomatisierung.

Risikomanagement: kein starrer Stop-Loss, sondern Positionsmanagement: aufbauen, laufen lassen, bei Verdopplung oder Verdreifachung ernten und die Gewichtung zurücknehmen.

Validierung: neue Modelle laufen durch Backtests und Out-of-Sample-Tests, bevor echtes Geld darauf gesetzt wird; das wikifolio-Universum dient dabei auch als Testfeld für kleinere Produkte.

Track Record: Alpha AI Leaders ist seit über drei Jahren am Markt, mit über 42 Prozent pro Jahr und rund 20 Millionen Euro investiertem Kapital eines der größten wikifolios überhaupt.

Christoph Gum als Investor: Niederlagen, Disziplin und der Mensch im Driver Seat

Was er aus dem Sport mitgenommen hat, benennt Christoph Gum knapp: extremer Fleiß, Ehrgeiz, Spaß und Disziplin – dasselbe brauche man an der Börse. Seine Lehrjahre nach dem Dotcom-Crash nennt er schmerzhaft und im selben Atemzug großartig, weil Lehrjahre genau so sein müssten.

„Ich rede gerne über die Niederlagen, weil da lernt man viel, viel mehr."

Genau das ist sein Muster: Aus Fehlern lerne man mehr als aus den großen Gewinnen, die Party nach der Meisterschaft sei schön – aber die Niederlage bringe einen zur nächsten. An der Börse heißt das für ihn, Rückschläge nicht persönlich zu nehmen, am nächsten Tag aufzustehen und es ein Prozent besser zu machen. Und der Satz, den er sich über alles andere an den Bildschirm kleben würde: „Enjoy the ride."

Wer ist Christoph Gum?

Christoph Gum kommt aus einer Försterfamilie am Chiemsee – Opa, Vater und Onkel waren Förster, er selbst nennt sich "der einzige, der in die Finanzbranche und die Technologiebranche abgerutscht ist". Mit zwölf, dreizehn Jahren fängt er im Dorfverein mit Basketball an und schafft es in sechs, sieben Jahren von der Kreisliga in die Bundesliga. Sein erstes selbst verdientes Geld stammt vom Zeitungsaustragen, seine erste Aktie bekommt er mit 14 von seinem Vater: E.ON, damals noch der Vorgänger des Energieversorgers.

Nach dem Abitur macht er seine Bankausbildung bei der Citibank in München, die während dieser Zeit zur heutigen Targobank wird. Im März 2000 – vier Tage nach dem Nasdaq-Allzeithoch bei 5082 Punkten – begleitet er als Einziger mit Finanzausbildung einen Börsengang und erlebt Hypergrowth und Crash in derselben Firma. Danach folgen Lehrjahre in der Wirtschaftsprüfung, 2004 der Wechsel zur Credit Suisse und dort die Betreuung von Ultra-High-Net-Worth-Kunden ab 50 Millionen Euro Privatvermögen. 2016/2017 verlässt er die Bank, Anfang 2018 gründet er Private Alpha.

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