Folge 26 · Dr. Raimund Schriek

Warum leicht verdientes Geld beim Trading so gefährlich ist

Trading-Psychologe Dr. Raimund Schriek erklärt, warum ein einziger Glückstreffer gefährlicher sein kann als eine Verlustserie – und was Familienmuster damit zu tun haben.

Ein Controller eines großen Automobilkonzerns macht durch einen einzigen Glückstreffer 80.000 Euro Gewinn – und verliert das Geld am Ende trotzdem wieder. Dr. Raimund Schriek kennt solche Geschichten aus fast 20 Jahren als Trading-Psychologe.

Im Gespräch erklärt er, warum ausgerechnet leicht verdientes Geld an der Börse so gefährlich ist, wie Familienmuster unbewusst unser Trading-Verhalten prägen und warum auch beruflich erfolgreiche Menschen beim Trading scheitern können.

Dr. Raimund Schriek ist Experte für Trading-Psychologie, Buchautor und Coach und begleitet seit rund 20 Jahren Trader und Anleger dabei, ihr eigenes Verhalten zu verstehen. Besonders macht ihn, dass er dabei nicht bei der Strategie ansetzt, sondern beim Menschen dahinter – inklusive Familiengeschichte, Nervensystem und Trading-Tagebuch.

„Zugefallenes Geld oder Geld durch ein Lucky Punch ist da besonders gefährlich."
– Dr. Raimund Schriek

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Was hat Dr. Raimund Schriek zu diesem Thema gesagt? Die KI durchsucht diese Folge und alle anderen nach seinen Original-Aussagen – mit Timestamp und Fundstelle.

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Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Zugefallenes Geld, etwa aus einem einzelnen Glückstrade, wird von vielen Tradern besonders leichtfertig behandelt und häufig wieder verspielt, weil es sich nicht wie „verdientes" Geld anfühlt.
  • Familienmuster wirken oft unbewusst ins Trading hinein: Raimund Schriek lässt Klienten Genogramme, also Familienstammbäume, malen, um Wiederholungen zu erkennen – etwa wenn die Mutter ein Spielcasinoverbot hatte und der Sohn ähnliche Verlustmuster im Trading zeigt.
  • Beruflich erfolgreiche Menschen tun sich beim Trading oft schwerer, weil sie es gewohnt sind, dass ihre Entscheidungen Wirkung zeigen – der Markt lässt sich davon aber nicht beeindrucken.
  • Der Satz „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen" funktioniert laut Raimund Schriek nur mit einer klaren Regel, bis wohin Gewinne laufen dürfen – etwa bis sich zwei gleitende Durchschnitte kreuzen oder eine Trendlinie bricht. Ohne diese Regel wird aus dem Gewinn am Ende oft doch ein Verlust.
  • Sein wichtigstes eigenes Learning: das Risiko konsequent klein und abhängig von der Kontogröße zu halten – unabhängig davon, wie sicher man sich gerade fühlt.
  • Die Kapitalkurve ist für ihn ein zentrales Diagnosewerkzeug: Schwankt sie stark, obwohl die Strategie eigentlich funktioniert, liegt das Problem meist nicht im System, sondern in der Umsetzung durch den Trader.
  • Auf die Frage nach dem freien Willen beim Trading antwortet er: Je bewusster wir mit unseren Themen umgehen, desto mehr freien Willen haben wir – je unbewusster, desto weniger.

Wie Raimund Schriek zum eigenen ersten Klienten wurde

Seinen ersten größeren Kapitalstock verdankte Raimund Schriek einem Zufallstreffer: Er kaufte Aktien des irischen Pharmaunternehmens Elan kurz nachdem die Nachricht über zwei Tote bei einer klinischen Studie den Kurs eingebrochen hatte – die Aktie erholte sich, und aus seinem Einsatz wurde sein erstes Trading-Kapital. Genau dieses leicht verdiente Geld, sagt er rückblickend, habe sich nie „schwer" angefühlt und ihn dadurch zu mehr Risiko verleitet.

Später verlor er nach eigener Aussage insgesamt drei Depots. Besonders schmerzhaft: ein Silber-Trade, bei dem er kurz vor der Trendwende durch einen Margin Call aus der Position geworfen wurde – ein Trade, der sehr lukrativ hätte werden können. Ein weiteres Beispiel ist der Schering-Trade: Raimund Schriek ging mit 500 CFDs auf der Short-Seite in die Aktie, ohne sich vorher näher mit dem Unternehmen beschäftigt zu haben – einen Tag bevor Bayer die Übernahme von Schering verkündete. Der Trade kostete ihn rund 8.000 Euro. Aus solchen dramatischen Verlusten, sagt er, habe er mehr gelernt als aus den vielen kleinen Rückschlägen des Alltagstradings.

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So funktioniert Raimund Schrieks Trading-Psychologie-Ansatz

Raimund Schrieks Arbeit mit Klienten setzt nicht bei der Strategie an, sondern beim Menschen dahinter. Zu seinen zentralen Werkzeugen gehören:

Genogramme: Klienten malen ihren Familienstammbaum und untersuchen ihn auf Gefühle, Glaubenssätze sowie persönliche und finanzielle Verluste, um wiederkehrende Muster sichtbar zu machen.

Die Kapitalkurve als Diagnoseinstrument: Sie zeigt objektiv, ob ein Trader seine eigene Strategie tatsächlich diszipliniert umsetzt.

Schattenarbeit: Themen, die im Unbewussten liegen, zeigen sich laut Raimund Schriek häufig durch Projektion – etwa wenn man sich über das Verhalten anderer ärgert, das man an sich selbst nicht wahrhaben will.

Körperarbeit und Nervensystem: Der Nervus vagus, zuständig für Entspannung, spielt für ihn eine wichtige Rolle – er selbst nutzt dafür unter anderem eine Shakti-Matte, eine Art Fakir-Matte mit vielen kleinen Spitzen.

Das Trading-Tagebuch: für Raimund Schriek das wichtigste Buch überhaupt, weil es die eigene Vor- und Nachbereitung ehrlich sichtbar macht.

Routinen: Wiederholtes Einüben derselben Abläufe sorgt dafür, dass man auch unter Druck das Richtige tut, statt impulsiv zu reagieren.

Raimund Schriek als Trading-Psychologe und Bonusvater: neugierig, körperbewusst, entwicklungsorientiert

Privat erzählt Raimund Schriek von seinem Bonuskind Lotta, die als Kontrabassistin ihren ersten Preis gewonnen hat – für ihn ein Beispiel dafür, wie früh und klar Entscheidungen fallen können, wenn ein Mensch mit einem Thema in Resonanz geht. Auch bei sich selbst achtet er auf Körper und Nervensystem, etwa durch Entspannung auf der Shakti-Matte. Sein persönliches Fazit nach fast 20 Jahren als Trading-Psychologe bringt er in einem Satz auf den Punkt:

„Trading-Erfolg ist der Spiegel der Persönlichkeitsentwicklung."

Wer ist Dr. Raimund Schriek?

„Ich glaube, ich bin mein erster Klient gewesen. Das habe ich auch noch nie so gesagt, aber letztlich ist das so", erzählt Raimund Schriek. Sein Weg in die Trading-Psychologie begann nicht am Reißbrett, sondern aus eigener Überforderung: Er handelte selbst, verlor mehrfach die Übersicht und schrieb schließlich ein kleines Skript zu Wirtschaftsnachrichten an einen Finanzbuchverlag. Der damalige Programmleiter fragte ihn, worüber er eigentlich schreiben wolle – Raimund Schrieks Antwort war „etwas Psychologisches". Daraus wurde sein erstes Buch, seine erste Klientenarbeit und schließlich rund 20 Jahre Erfahrung als Coach für Trader und Anleger. Heute verbindet er in seinen Büchern „Du bist Trader!" und „Trading Mind" Verhaltenspsychologie mit Neurowissenschaft.

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