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Dividendenfabrik: 8% - in Märkten, die niemand kennt (André Doerk)

André Doerk hat alles ausprobiert – Daytrading, Forex, CFDs, Rohstoffabenteuer. Am Ende landete er dort, wo die wenigsten hinschauen: im Cashflow.

Die meisten Anleger jagen Kursbewegungen. André Doerk hat das auch gemacht – bis er gemerkt hat, dass er damit hauptsächlich nervöser, nicht reicher wurde. Heute verwaltet er ein Portfolio, das er sich wie eine Fabrik vorstellt: kein täglicher Blick auf den Marktwert, kein Nervenflattern bei roten Zahlen – nur regelmäßiger, wachsender Cashflow aus Dividenden und Ausschüttungen.

Das klingt einfach. Ist es aber nicht.

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► Buchtipps

Bücher von André Doerk

  • Dividendenfabrik* – Sein Hauptwerk: Wie man ein Depot aufbaut, das regelmäßigen Cashflow liefert. Perspektivwechsel weg von Kursgewinnen hin zu planbaren Ausschüttungen. Praktisch, nicht theoretisch.

  • Reich mit Rohstoffen* – Veröffentlicht vor ca. drei Jahren. Thesen rund um Rohstoff-Superzyklen, industrielle Rohstoffe, Minen und Produzenten. Vieles hat sich seither bewahrheitet – und nach Andrés Einschätzung läuft der Zyklus noch.

Empfohlene Bücher & Quellen

  • The Income Factory* von Steven Bavaria – Das Buch, das André am meisten beeinflusst hat. Amerikanisch geprägt (viele US-spezifische Instrumente), aber die Kernphilosophie – schau auf dein Einkommen, nicht auf den Depotstand – ist universell. Für europäische Anleger bedingt anwendbar, philosophisch sehr wertvoll.

  • Buffett* und Kostolany*– Die Klassiker. Laut André heute leider zu wenig präsent, besonders bei jüngeren Anlegern.

► Ressourcen & Links

Research-Plattformen, die André nutzt

  • Seeking Alpha – Insbesondere für den US-amerikanischen Dividendenbereich.

  • Smart Karma – Für Asien-Research. Empfehlung für Anleger, die in der Region aktiv sind.

Automatisierung

  • N8N – Open-Source Workflow-Automatisierung. André nutzt es, um Quartalszahlen, Dividendendeklarationen und Analysten-Calls automatisiert aufzubereiten. Ziel: 5 Minuten pro Aktie pro Quartal statt einer Stunde.


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Im Gespräch mit André Doerk

André Doerk ist Investor, Buchautor und Mitgründer der Plattform ShareDeals.de. Er beschäftigt sich seit 1999 – also seit dem Neuen Markt und dem darauffolgenden Crash – mit Kapitalmärkten. Seinen Weg durch Daytrading, Forex, CFDs, Momentum-Strategien und Rohstoffinvestments bis hin zur konsequenten Dividendenstrategie hat er selbst durchlebt. Heute bündelt er diese Erfahrungen in zwei Büchern, einem TikTok-Account und einer wachsenden Community rund um das Thema Einkommensinvestieren.

Was ihn besonders macht: Er ist kein Akademiker, der Theorien vermittelt. Er ist jemand, der jeden Irrweg selbst gegangen ist – und daraus eine klare, persönlich passende Philosophie entwickelt hat.

Kapitel:
00:00:00 - Einleitung: Das System der Dividendenfabrik
00:01:05 - Der psychologische Fehler bei reinen Kursbewegungen
00:08:44 - The Income Factory: Das Depot als reales Unternehmen betrachten ⚡
00:19:12 - Ineffizienzen nutzen: Warum Big Tech keinen Informationsvorsprung bietet
00:30:25 - Small Caps & Hidden Champions: Das Jagdrevier der Privatanleger
00:43:18 - Quantitative Screener-Logik: Kennzahlen abseits der Masse
00:54:10 - Geopolitische Chancen: KGV unter 5 in unentdeckten Märkten
01:08:35 - Risiko-Management & Diversifikation im Cashflow-Depot
01:21:50 - Umgang mit Drawdowns: Warum Dividenden-Investoren im Crash ruhig schlafen ⚡
01:35:12 - Sondersituationen: BDCs, REITs und die Kunst, Renditen einzuloggen
01:46:40 - Zeit- und Freiheitshonorar: Die Eliminierung des Handlungsdrucks
01:56:25 - Das ultimative Gesetz der Altmeister für diszipliniertes Handeln ⚡

Aufnahmedatum: 11. Mai 2026

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Die Essenz der Folge

1. Rendite ist Rendite – aber Cashflow macht einen ruhigeren Kopf. Akademisch ist es egal, ob der Return aus Dividenden oder Kursgewinnen kommt. Psychologisch ist es ein Riesenunterschied. André hat gelernt, sein Depot nicht nach Marktwert zu beurteilen, sondern nach dem Einkommen, das es produziert. Wer diese Perspektive verinnerlicht, hört auf, täglich nervös auf Kursausschläge zu reagieren.

2. Dividende als Qualitätsfilter – nicht als Renditeziel. Ein Unternehmen, das seit Jahren stabile oder steigende Dividenden zahlt, muss profitabel sein. Es hat bewiesen, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Und es hat ein Management, das diszipliniert wirtschaftet, statt Kapital in fragwürdige Wachstumsabenteuer zu investieren. Der Dividendenfilter eliminiert automatisch einen Großteil des Börsen-Junkfood.

3. Der Privatanleger-Vorteil liegt in der zweiten und dritten Reihe. Auf Meta geben 70 Vollzeitanalysten ihr Bestes. Auf einen kolumbianischen Energieproduzenten schaut fast keiner. André nutzt diese Informationsineffizienz gezielt: Wer in Märkte geht, die kurzfristig aus der Mode sind, findet Dividendenrenditen von 6–8 %, KGVs unter 10 – und kauft dort ein, bevor andere überhaupt hinschauen. Das ist kein Geheimrezept. Es erfordert Disziplin und Überzeugung in die eigene Meinung.

4. Rohstoffe und Dividenden sind kein Widerspruch. Andrés zweites Standbein sind Rohstoffwerte – nicht als Spekulation, sondern als strukturelles Portfolioelement. Superzyklen dauern lange, Angebot reagiert mit enormer Verzögerung. Kupfer, Silber, Uran, Gas: Seine These lautet, dass wir beim Peak noch weit entfernt sind.

5. Krisen sind kein Risiko – sie sind das Fenster. Der Trump-Zollschock 2025 hat Kurse gedrückt. Andrés Reaktion: keine Panik, sondern Watchlist öffnen, bewerten, kaufen. Wer vorher weiß, was er will und zu welchem Preis, kann in zwei bis drei turbulenten Tagen besser agieren als die meisten in einem ruhigen Marktjahr.

6. Strategie schlägt Aktivität – immer. Die größte Herausforderung seiner Strategie: lange gar nichts tun. Und dann, wenn die Chance kommt, nicht zögern. Diese Kombination ist für die meisten Menschen praktisch unlernbar – zu wenig Adrenalin auf der einen Seite, zu viel Druck auf der anderen. André hat das System gebaut, das ihn vor beidem schützt.

7. Selbstreflexion kommt vor Strategie. Bevor man eine Methode wählt: Wie viel Zeit habe ich? Wie viel Risiko kann ich wirklich ertragen – nicht emotional, sondern in einer Crashnacht um drei Uhr? Welches Kapital steht zur Verfügung? Wer diese Fragen nicht ehrlich beantwortet, läuft immer dem nächsten guten Tipp hinterher.

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Die Story hinter dem Gast

André Doerk fängt 1999 an. Mitten in der Dotcom-Euphorie. Jeder ist an der Börse, jeder verdient Geld, eine Zeichnung beim Börsengang bringt quasi automatisch Gewinne.

„Man konnte ja damals kein Geld verlieren.”

Zwei Jahre später ist sein erstes Kapital weg. Nicht alles auf einmal – sondern langsam, durch zu viele Entscheidungen, zu viel Aktivität, zu wenig System. Eine kurze Pause, dann der Wiedereinstieg.

Was folgt, ist ein jahrelanges Durchprobieren: Daytrading, Forex, CFDs, Optionsscheine, Momentum-Strategien. Jede Methode ausprobiert, jede für eine Weile überzeugend gefunden.

„Dann habe ich irgendwie gesagt, morgen machst du langfristige Anlage. Habe ich dann auch genau drei Wochen durchgehalten. Dann wurde mir wieder langweilig.”

Der erste längere Halt im Rohstoffbereich. Konferenzen, Vor-Ort-Besuche bei Minen, vorbörsliche Investments in Explorer. Spannend, intensiv – aber auch brutal zeitaufwändig und mit einem Depot, das ständig Achterbahn fährt.

Der eigentliche Wendepunkt kommt nicht durch ein Buch oder einen Mentor, sondern durch Corona. André schaut auf seinen Cashflow während des Börsencrashs. Die Kurse brechen ein. Aber die Dividendeneinnahmen? Weitgehend stabil.

„Wenn ich auf dem Mars gewesen wäre und gar nichts von der Epidemie mitbekommen hätte – was die Dividenden angeht, da wäre die Delle deutlich geringer gewesen.”

Das ist der Moment. Nicht die Strategie wurde erfunden – sie wurde gefühlt. Seit diesem Moment liegt der Großteil des Portfolios konsequent in Dividendentiteln. Die Rohstoffe bleiben – aber als kleineres Standbein, mit klar begrenztem Risiko.

Das System

Anlageuniversum

André fischt bewusst nicht nur in den klassischen Dividendengewässern. Sein Universum umfasst:

  • Dividendenaktien weltweit (70–80 % des Portfolios)

  • US-amerikanische Vorzugsaktien mit Garantiedividenden (Anleihecharakter, hohe Stabilität)

  • Babybonds – börsennotierte Anleihen in kleinen Stückelungen an NYSE/Nasdaq

  • Business Development Companies (BDCs)

  • REITs und Real Estate Trusts

  • Rohstoffaktien als Beimischung

Das ergibt ein Depot von 50–75 Einzelpositionen, dazu regionale ETFs als Bausteine für Märkte, bei denen er keine ausreichende Einzeltitelkenntnis hat.

Die Entscheidungslogik

Einstieg erfolgt rückwärts: Zielrendite definieren (6–7 % Dividende + 3–4 % Wachstum = 10 %+ Total Return), dann prüfen, welche Titel diese Rendite zum aktuellen Kurs liefern und ob sie nachhaltig ist.

Kernfrage beim Kauf: Zahlt mir dieses Unternehmen zum heutigen Kurs diese Rendite? Kann es das in drei bis fünf Jahren noch?

Wenn ja – kaufen. Unabhängig davon, ob morgen die Schlagzeilen rot sind.

KPIs, auf die André schaut:

  • KGV (klassische Bewertung)

  • Payout Ratio (Ausschüttungsquote muss unter 100 % liegen)

  • Cashflow-Stabilität

  • Dividendenhistorie: konstant oder wachsend?

  • Ausblick: Gibt es Gründe, die zukünftige Zahlung in Frage zu stellen?

Diversifikation als Risikomanagement

Maximal 2 % je Einzelposition. Geografische und sektorale Streuung. Emerging Markets explizit eingebaut – nicht als Spekulation, sondern weil dort die günstigsten Bewertungen und die höchsten Renditen zu finden sind.

„Man landet automatisch in Bereichen, die gerade aus der Mode sind – weil da die Dividenden am günstigsten bewertet sind.”

Märkte, die André 2025/2026 spannend findet:

  • Lateinamerika (Brasilien, Kolumbien weiterhin interessant, Bewertungen moderat)

  • Polen (sein Lieblingsmarkt in Europa, immer noch wie ein Schwellenland bewertet)

  • Rumänien (frühes Stadium, deutliches Aufholpotenzial)

  • Japan (institutioneller Druck zu höheren Ausschüttungen wächst)

  • Hongkong / selektiv Asien

Bei Rohstoffen: Superzyklen mit langer Halbwertszeit

Der Kern seiner Rohstoffthese: Angebot und Nachfrage reagieren in dieser Industrie extrem langsam aufeinander. Neue Minen brauchen Milliarden Capex und viele Jahre bis zur Produktion. Das erzeugt strukturelle Unterversorgung über Jahre.

Kupfer, Silber, Uran, Gas – André sieht diese Rohstoffe noch weit vom Zyklus-Peak entfernt. Besonders bei Silber: Wenn der aktuelle Preis nachhaltig ist, sind 80 % der Silberproduzenten noch massiv unterbewertet.

Das Aussteigen

Keine Stop-Losses. Kein Verkauf nur wegen Kursbewegungen. Die einzige relevante Frage lautet: Würde ich diese Aktie heute kaufen?

Wenn die Fundamentals stimmen, ist Halten die logische Konsequenz. Wenn die Bewertung zu teuer wird (KGV steigt über 20, Dividendenrendite fällt auf 3 %), oder wenn eine Position im Depot überproportional groß geworden ist – erst dann wird reduziert oder getauscht.

„Wenn du die Aktie bei 10 Euro gemocht hast, musst du sie bei 5 eigentlich lieben. Mein Case ist: wenn die Ausschüttung konstant ist und es keinen Grund gibt, daran zu zweifeln – wäre es ja blöd, bei minus 30 Prozent zu verkaufen.”

Hier lernen & wachsen alle, die handeln:

Der Mensch

André beschreibt sich selbst als bequemen Anleger. Das ist keine Schwäche – es ist das Fundament seiner Strategie. Er hat früh verstanden, dass er bei hoher Volatilität nervös wird, Disziplin verliert, und dann Fehler macht. Also baute er sich eine Strategie, die diesen Trigger systematisch ausschaltet.

„Ich hasse nichts mehr, als wenn ich mich mit Sachen beschäftigen muss. Also wenn ich fünf Minuten investieren kann – das ist dann meine freie Entscheidung.”

Dieser Satz klingt nach Faulheit. Er ist das Gegenteil. Es steckt ein klares System dahinter: Monitoring automatisieren, Entscheidungslogik scharf definieren, Emotionen aus dem Prozess herausnehmen. Nicht weil Börse ihn nicht interessiert – sondern weil er weiß, dass Emotion und Disziplin selten gut koexistieren.

Was ihn beschäftigt: Das Medien-Dilemma im Finanzbereich. Das Interesse der Anleger ist immer dann am größten, wenn die Messer bereits scharf sind. Die Themen mit dem besten Chance-Risiko-Verhältnis sind genau die, für die sich niemand interessiert. André hat das Problem – hat aber keine Lösung dafür.

Und auf die Frage, was er rückblickend anders gemacht hätte:

„Wenn man neu an der Börse ist, sollte der Fokus zunächst darauf liegen, keine Verluste zu machen. Möglichst wenig Risiko – und dann kommt der Ertrag von alleine. Das hätte ich mir gewünscht, dass mir das irgendjemand mal gesagt hätte.”

Buffetts Regel Nummer eins. Längst bekannt. Und doch – gerade für junge Anleger in einer Welt aus TikTok-Renditeversprechungen – so weit entfernt wie nie.

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