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Er macht Geldanlage günstiger - Und verzichtet auf Gehalt

Er verlangt nur 5% Erfolgsbeteiligung und bewertet Aktien mit einem selbst entwickelten 16-Kriterien-Score - ein Gespräch über faire Geldanlage im deutschsprachigen Raum.

Die meisten Fondsmanager kassieren, egal ob sie liefern oder nicht. Philipp Haas hat sich dagegen entschieden: kein Gehalt, keine Managementgebühr, nur 5% Performance-Gebühr, wenn er tatsächlich Rendite erwirtschaftet. Wer so ein Modell aufbaut, muss an seine eigene Methode glauben - und die hat er über mehr als zehn Jahre entwickelt.

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Im Gespräch mit Philipp Haas

Philipp Haas ist Investor, Fondsmanager und Autor - und einer der wenigen im deutschsprachigen Raum, die einen aktiv gemanagten Fonds komplett ohne Gehalt und Managementgebühr betreiben. Seit über zehn Jahren entwickelt er sein „faires KGV”-Modell: eine 16-Kriterien-Bewertung, mit der er die Qualität von Unternehmen einschätzt und daraus ein individuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis ableitet.

Was ihn besonders macht: Er verdient ausschließlich, wenn seine Anleger auch verdienen - 5% Performance-Gebühr, sonst nichts. Damit setzt er sich bewusst von der klassischen Fondsbranche ab, in der Gebühren unabhängig von der Leistung fließen.

Kapitel:
00:00:00 - Einleitung: Warum ein Investor auf Gehalt verzichtet
00:01:29 - Was Philipp Haas antreibt: Geldanlage fairer machen
00:03:38 - Ist die Fondsbranche wirklich unfair? ⚡
00:07:11 - Vom Neuen Markt zum ersten Broker-Konto mit 18
00:11:46 - Die Bücher, die seinen Investmentstil geprägt haben
00:15:38 - Knockout-Zertifikate mit 18: Erste Trading-Erfahrungen
00:21:27 - Die Finanzkrise: ProSieben zu früh verkauft
00:26:11 - Wie ein Fehlinvestment das faire KGV-Modell hervorbrachte
00:29:23 - Das faire KGV erklärt: 16 Kriterien für jede Aktie ⚡
00:36:39 - Das QFMA-Modell: Wann Philipp wirklich einsteigt
00:54:37 - Die Makro-Matrix: Geografische Steuerung des Portfolios
01:01:15 - Wie KI seine Recherche unterstützt - und wo nicht
01:06:53 - Vom Angestellten zum eigenen Fonds mit Zwillingen
01:29:17 - Fondsgründung: Nur 5% Performance-Gebühr, kein Gehalt ⚡
01:58:53 - Sein größtes Learning: die verpasste Bitcoin-Chance
02:01:25 - Der Satz, der für ihn übers Investieren bleibt

Aufnahmedatum: 24. Juni 2026


Wer ist Philipp Haas

Philipp Haas ist Investor, Fondsmanager und Autor. Er hat in St. Gallen Wirtschaft studiert, während der Finanzkrise seine ersten größeren Positionen aufgebaut und über zehn Jahre lang öffentlich auf wikifolio gehandelt, bevor er seinen eigenen Aktienfonds Haas Invest4 Innovation gründete. Sein Markenzeichen: das „faire KGV” - ein Modell, das die Qualität eines Unternehmens anhand von 16 Kriterien bewertet und daraus ein individuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis ableitet. Relevant ist er, weil er einen der günstigsten aktiv gemanagten Fonds im deutschsprachigen Raum betreibt und dabei komplett transparent kommuniziert, was ihn von der klassischen Fondsbranche unterscheidet.


Die Essenz der Folge

  • Philipp verzichtet komplett auf Gehalt und Managementgebühr - er verdient ausschließlich über eine 5%ige Performance-Gebühr. Verdient er nichts für den Anleger, verdient er auch nichts für sich.

  • Sein „faires KGV”-Modell bewertet Unternehmen anhand von 16 Kriterien in vier Gruppen (Finanzfaktoren, Softfaktoren, Marktfaktoren, Unternehmensfaktoren) und leitet daraus ein individuelles KGV ab - von 20 bei Qualitätsunternehmen bis 30 bei Weltklasse-Firmen.

  • Zusätzlich nutzt er ein dreistufiges Positionsmodell (QFMA: Qualität, Fundamental, Momentum, Alpha-Idee), das Positionsgrößen von 0,2% bis zu Kernpositionen von 4-5% systematisch steuert.

  • Eine dritte Ebene, die „Investorship Macro Matrix”, steuert die geografische Gewichtung des Portfolios über fünf Weltregionen und den Cash-Anteil.

  • Sein bekanntester Fehlgriff: eine E-Commerce-Firma mit zu guten Zahlen, die kurz darauf insolvent ging - der Auslöser für sein heutiges Qualitätsmodell.

  • Sein größter Volltreffer: eine frühe Wette auf die Match Group / Tinder, weil er aus seiner Zeit bei Holzbrinck den Online-Dating-Markt bereits gut kannte.

  • KI nutzt er gezielt für Recherche, aber bewusst nicht für sein Bewertungsmodell selbst - aus Sorge vor Fehleinschätzungen und mangelnder Differenzierung gegenüber anderen KI-gestützten Fonds.

  • Sein Leitsatz: „Das Ziel ist es, möglichst gute Unternehmen zu möglichst günstigen Preisen zum richtigen Zeitpunkt zu kaufen.”

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Die Story dahinter

Philipp kam nicht aus einer Finanzfamilie - sein Interesse begann als Teenager mit Aktienzeichnungen während des Booms um die Jahrtausendwende und einer Leseratten-Vergangenheit, die ihm half, sich autodidaktisch Bewertungsmethoden beizubringen. Über Stationen bei einem Startup-Investor (Holzbrinck), Mitgründung von Finanztipp.de und eine Zeit als angestellter Portfoliomanager entwickelte er sein Modell weiter - bis er sich nach der Geburt seiner Zwillinge für mehr Flexibilität entschied und den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Der Fondsstart traf ihn zeitlich ungünstig: Das erste Jahr brachte einen Rückschlag von minus 28%, während Konkurrenzfonds im Segment teils minus 60-70% verloren. Innerhalb von zwei Jahren glich er das aus.

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Das System

  • Märkte/Assets: Globale Aktien, Fokus auf wachstumsstarke, technologienahe Unternehmen; explizit keine Rohstoffe, Derivate, ETFs oder Kryptowährungen

  • Strategie: Drei kombinierte Modelle - faires KGV (Bewertung), QFMA (Positionsgrößensteuerung über Qualität, Fundamentaldaten, Momentum, Alpha-Idee) und die Makro-Matrix (geografische Allokation)

  • Edge: Breite, interdisziplinäre Recherche über zehn Jahre hinweg, kombiniert mit praktischer Erfahrung als Privatanleger UND als angestellter Portfoliomanager - eine seltene Kombination

  • Entscheidungslogik: Positionen wachsen stufenweise: von einer kleinen „Beobachtungsposition” über eine „Fundamentalposition” bis zur Kernposition, sobald mehrere Faktoren gleichzeitig auf Grün stehen

  • Risiko: Bewusster Verzicht auf Stopps im klassischen Sinn - Risikosteuerung erfolgt über das Momentum-Scoring und die Makro-Matrix, nicht über feste Kurslevel

Hier lernen & wachsen alle, die handeln:

Der Mensch

Philipp beschreibt sich selbst als eher zurückhaltend im Marketing - für einen erfolgreichen YouTube-Investor eine ungewöhnliche Aussage. Sein Buch wurde kein Bestseller, aber er sieht das gelassen: „Under promise and over deliver." Rückblickend nennt er die Corona-Zeit als prägendsten Abschnitt seiner Karriere - nicht nur wegen der Marktbewegungen, sondern weil sein System in der Krise automatisch griff und Cash aufbaute, ohne dass er manuell eingreifen musste. Sein größtes Learning mit Blick zurück: die verpasste Bitcoin-Chance bei 510 Dollar - nicht als Reue über die Rendite, sondern als Lektion, bei spannenden Themen wenigstens mit einer Mini-Position dabei zu sein, um sie unvoreingenommener verfolgen zu können.

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