„Wenn du mir das Fundamental erklären kannst, bist du mein Held. Preise bewegen sich nur aufgrund von Angebot und Nachfrage.“
Oliver Klemm, bekannt als Trading Coach Oli, handelt seit 1982 an der Börse - erst bei der Deutschen Bank, dann mit eigener Wertpapierhandelsbank, heute als Coach für rund 600 aktive Kursteilnehmer. Seine Methode ist unspektakulär und gerade deshalb wirksam: kein Bauchgefühl, keine Bilanzanalyse, sondern reines Lesen von Preis und Volumen im Chart. Was ihn nach 44 Jahren und über 1,5 Millionen Trades noch antreibt und warum er nie gegen die Marktstruktur hält, erzählt er in dieser Folge.
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Du willst wissen, wie Oliver Klemm eine Trendwende im Chart erkennt, warum er keine nachlaufenden Indikatoren mehr nutzt oder wie sein Tagesverlustlimit genau funktioniert?
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Im Gespräch mit Oliver Klemm über Marktstruktur, Risikomanagement und 44 Jahre Börse
Oliver Klemm ist Trading Coach und Daytrader mit 44 Jahren Börsenerfahrung - vom Parkett der Deutschen Bank über eine eigene Wertpapierhandelsbank bis zu seiner heutigen Rolle als Ausbilder für rund 600 aktive Trader. Im Gespräch erklärt er, wie er Preis und Volumen liest, statt auf Nachrichten oder Bilanzen zu reagieren.
Kapitel:
00:00:00 - Einleitung: Wie Oliver 1987, 2007 und 2008 immer Geld verdiente ⚡
00:02:23 - Werdegang: Seit 1982 bei der Deutschen Bank, Short von Anfang an
00:07:12 - Warum fundamentale Analyse nicht funktioniert: der Wirecard-Fall
00:08:23 - Market Profile: Unterstützung, Widerstand und Volumen lesen
00:12:00 - Wie Preise wirklich entstehen: Aggressor vs. Liquiditätsgeber
00:14:42 - Der KI-Fonds-Crash: Wie Großbanken gehebelte Trader abservieren ⚡
00:27:32 - Algorithmen im Chart erkennen: die eigene Handelsbank
00:35:16 - Mensch vs. KI: Die Grenzen künstlicher Intelligenz im Trading
00:41:26 - Das System heute: FDAX-Future, 3-4 Stunden am Tag
00:44:12 - Die Trading-Routine: Vorbereitung, Charts, Stopps
01:12:02 - Wie der Stil entstand: Von den Turtles zu den eigenen Regeln ⚡
01:29:07 - Vom Frühstückstisch zur Börse: die Herkunftsgeschichte
01:53:51 - Die schwersten Jahre: Scheidung, Firmenverkauf, Schlaganfall
01:58:01 - Der 368.000-Euro-Verlusttag und die 30.000-Euro-Regel
02:03:03 - Dankbarkeit, Spiritualität und der Umgang mit Geld
02:17:52 - Fazit: Folge der Struktur, handle niemals dagegen
Aufnahmedatum: 3. August 2026
Wer ist Oliver Klemm? Vom Deutsche-Bank-Trainee zum Trading Coach
Oliver Klemm wuchs mit dem Wirtschaftsteil der FAZ am Frühstückstisch auf - sein Vater, Staatsanwalt, richtete ihm mit zehn Jahren einen Dauerauftrag in eine sechsprozentige Anleihe ein. Zu langweilig, fand Oliver, er wollte Aktien. 1982 begann er bei der Deutschen Bank in Frankfurt: Von über 2.000 Bewerbern kamen 93 durch den Aufnahmetest, nur einer von 27 Interessenten wurde in die Börsenabteilung übernommen - er selbst. Es folgten Stationen bei Westfalenbank und BNP Paribas, 1997 dann die eigene Wertpapierhandelsbank mit Mitgliedschaften an Frankfurter Börse, Xetra, Eurex und Euronext und Kunden wie JP Morgan, Goldman Sachs, Fidelity und UBS. Nach dem Verkauf der Firma und persönlichen Krisen - darunter ein Schlaganfall in Zypern - coacht er heute rund 600 aktive Trader und hat über 1,5 Millionen eigene Trades hinter sich.
Die Essenz der Folge: Wie Oliver Klemm den Markt liest
Kein Fundamentalanalyst: „Ich habe immer nach Charts gehandelt“ - Preise bewegen sich für ihn ausschließlich aufgrund von Angebot und Nachfrage, nicht aufgrund von Bilanzen oder Nachrichten.
Market Profile statt Indikatoren: Seit 27 Jahren arbeitet er mit Market- und Volume-Profile - Unterstützung, Widerstand, VWAP und Value Area statt nachlaufender Indikatoren: „Ich benutze zum Beispiel keinerlei Indikatoren mehr, weil das Nachlaufen des Zeugs ist.“
“Außenstäbe” als Kernsignal: Schließt eine Kerze über dem Hoch bzw. unter dem Tief der vorherigen, ist das für ihn eines der wichtigsten Muster im Chart.
Diszipliniertes Risikomanagement: Maximal 30 Punkte Stopp im DAX-Future, maximal 30.000 Euro Tagesverlust - eine Regel, die er erst nach einem 368.000-Euro-Verlusttag einführte.
44 Jahre, 1,5 Millionen Trades: Von der Deutschen Bank 1982 über die eigene Handelsbank bis zum heutigen Coaching - konstant im Markt, konstant nach demselben Prinzip.
Struktur vor Meinung: „Das ist das Schwierigste, weil wir wollen ja immer wissen, ich glaube, das ist oben“ - seine wichtigste Lektion war, nicht gegen die erkannte Marktstruktur zu halten.
Vom Verlust zurück: Ein eigener Kursteilnehmer verlor 400.000 Euro und erarbeitete sie über 3,5 Jahre diszipliniert zurück - ein Beispiel für Oliver Klemms Verständnis von Risikomanagement als Überlebensfrage.
Du willst bei einem Punkt tiefer einsteigen?
Zum Beispiel: Wie genau unterscheidet Oliver Klemm einen Aggressor von einem Liquiditätsgeber im Orderbuch? Was hat ihn am meisten Fleiß gekostet, um zum “Order Dummy” der Banken-Algorithmen zu werden - und wie hat er sich davon erholt?
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Wie Oliver Klemm sein Trading-System entwickelt hat
Seinen eigenen Stil entwickelte Oliver Klemm über Jahrzehnte im Selbststudium: Point-&-Figure-Charts mit Bleistift auf Millimeterpapier, 5.000 DM im Monat für End-of-Day-Daten, Fahrten nach Darmstadt zu Charttechnik-Seminaren. Er testete die Systeme der Turtles, Larry Williams, Tom DeMarck und Jake Bernstein, bevor er seine eigene, reduzierte Methodik aus Preis- und Volumenstruktur destillierte. Für trägere Kollegen zeichnete er Point-&-Figure-Charts für über 100 US-Aktien - und wurde so zum “Lexikon” seiner Abteilung. Als seine eigene Handelsbank 2000/2001 zunehmend gegen Bank-Algorithmen anlief, erlebte er hautnah den Strukturwandel des Marktes: “Olli, du bist ein Sterben, du bist ein Dinosaurier”, sagten ihm Banken offen ins Gesicht. Sein größter früherer Fehler: eine Bewegung mitnehmen - und dann anfangen, dagegenzuhalten. Diese Lektion ist heute sein zentrales Prinzip.
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So funktioniert Oliver Klemms Struktur-Strategie
Märkte/Assets: Fast ausschließlich der FDAX-Future, gelegentlich Nasdaq, S&P und Rohstoff-Futures. Früher über 20 Jahre reines Aktien-Trading.
Zeitrahmen: Analyse im 15-Minuten-Chart, gehandelt wird im 1- und 3-Minuten-Chart; typische Trade-Dauer 7-15 Minuten, 3x pro Woche je 4 Stunden aktiv am Markt.
Methodik: Kombination aus Market Profile und Volume Profile - Unterstützung, Widerstand, VWAP, Value Area High/Low, Preisstruktur (höhere Hochs/Tiefs) und “Außenstäbe” als Signal, keine nachlaufenden Indikatoren.
Entscheidungslogik: Levels vor Handelsbeginn festlegen, dann jede Kerze auf Preisfortschritt und Ungleichgewicht prüfen; die ersten Minuten nach Handelsstart zeigen ihm das institutionelle Interesse.
Risiko: Maximal 30 Punkte Stopp pro Trade im DAX, maximal 30.000 Euro Verlust pro Tag - eine Grenze, die er nach einem einzigen 368.000-Euro-Verlusttag einführte.
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Oliver Klemm als Mensch: Fleiß, Rückschläge und Dankbarkeit
Hinter der nüchternen Systematik steht eine Biografie mit tiefen Einschnitten: eine Scheidung, in der er drei Jahre lang seine Kinder nicht sehen durfte, ein Firmenverkauf, bei dem sein 40-Millionen-Euro-Anteil auf 200.000 Euro schrumpfte, ein Schlaganfall in Zypern, nach dem er anfangs nicht selbst laufen konnte - und später einen Marathon lief. Emotional bleibt ihm vor allem der 368.000-Euro-Verlusttag in Erinnerung, an dem er gegen den Markt hielt, statt der Struktur zu folgen. Trotz der Rückschläge bleibt sein Grundton positiv: tägliche Dankbarkeitsrituale, ein Wandel vom “brutalen Atheisten” nach dem frühen Tod seines Vaters hin zu Spiritualität und Workshops bei Joe Dispenza prägen sein Leben heute genauso wie der Markt.
„Geld ist eine Lupe. Wenn du ein schlechter Mensch bist und du hast besonders viel Geld, dann bist du ein besonders schlechter Mensch.”
Seine Kursteilnehmer beschreibt er als Gemeinschaft, nicht als Kundschaft: “Wir sind ja wie eine Familie.” Und am Ende bleibt sein Leitsatz denkbar einfach: der Struktur folgen - und wenn man ihr nicht folgt, niemals dagegenhalten.
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