„Ich kaufe so, als könnte ich es nicht mehr verkaufen."
117 Prozent seit Sommer 2023, knapp 30 Prozent pro Jahr: Stefan Meißner stand mit seinem wikifolio Focused Yield Investing Anfang 2025 kurzzeitig auf Platz 1 von rund 10.000 wikifolios. Sein Ansatz klingt fast schon stur: Er kauft Aktien so, als könnte er sie nie wieder verkaufen - und dreht dafür die klassische Bewertungsformel der Börse einfach um.
Die Wertentwicklung von +117% bezieht sich laut wikifolio-Webseite auf das wikifolio „FocusedYieldInvesting“ im Zeitraum vom 24.07.2023 bis 06.07.2026 (Aufnahmedatum der Folge).
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Im Gespräch mit Stefan Meißner
Stefan Meißner ist Hobby-Investor und Kopf hinter dem wikifolio Focused Yield Investing, das seit Sommer 2023 rund 117 Prozent erzielt hat. Mit seinem selbst entwickelten Ansatz Yield Investing dreht er die klassische Bewertungsformel der Börse um und sucht gezielt nach der höchsten inneren Rendite statt nach dem inneren Wert.
Kapitel:
00:00:00 - Einleitung: 117 Prozent seit 2023 - seine größte Erkenntnis über die Börse
00:06:47 - Yield Investing: Der Kern seines Investmentsystems
00:12:10 - Innerer Wert vs. innere Rendite: Der entscheidende Unterschied
00:22:37 - Das Dilemma mit dem Diskontierungsfaktor
00:33:37 - Warum Dividenden und Aktienrückkäufe wichtiger sind als der Gewinn
00:46:39 - Die Formel gedreht: So berechnet er seine innere Rendite ⚡
00:50:05 - Warum er nie in Cash geht
00:56:35 - Sein monatlicher Workflow: So passt er sein Portfolio an
01:03:40 - Der Trump-Zollcrash: Kaufen, wenn andere in Panik verkaufen ⚡
01:20:31 - Sein Anlageuniversum: Warum er gerne in “hässliche Enten” investiert
01:45:28 - Sein Edge gegenüber den großen Fonds
01:50:52 - Drawdowns und der Corona-Crash: Kredit aufgenommen und nachgekauft
02:01:44 - Wie er ins Investieren kam: Vom ersten Buffett-Buch zum eigenen System
02:06:31 - Sein größter Fehler: Chinesische Small Caps als Luftnummern ⚡
02:20:15 - Sein Leitsatz fürs aktive Investieren
Aufnahmedatum: 06.07.2026
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Wer ist Stefan Meißner
Stefan Meißner ist 39 Jahre alt und investiert seit 2009 in Aktien - angefangen hat er mit rund 1.000 Euro in Deutsche Bank und Porsche, kurz darauf folgte sein erstes Buffett-Buch. Über die Jahre hat er sich intensiv mit Warren Buffett, Benjamin Graham und Philip Fisher beschäftigt und daraus einen eigenen, streng fundamentaldatenbasierten Investmentansatz entwickelt, den er "Yield Investing" nennt: Statt wie beim klassischen Value Investing einen inneren Wert zu bestimmen, dreht er die Bewertungsformel um und berechnet direkt eine "innere Rendite" zum aktuellen Kurs - komplett ohne Charttechnik. Relevant ist er, weil er diesen Ansatz seit 2023 öffentlich nachvollziehbar über zwei wikifolios umsetzt und damit zeitweise auf Platz 1 des gesamten wikifolio-Rankings unter rund 10.000 wikifolios stand - erarbeitet komplett nebenberuflich mit einem selbstgebauten Excel/VBA-Analysetool.
Die Essenz der Folge
Stefan Meißner hat seinen Investmentansatz “Yield Investing” getauft: Statt wie beim klassischen Value Investing einen inneren Wert zu ermitteln, dreht er die Bewertungsformel um und berechnet direkt eine “innere Rendite” zum aktuellen Kurs - ganz ohne Charttechnik.
Sein Kernsatz zum Kaufverhalten: “Ich kaufe so, als könnte ich es nicht mehr verkaufen.” Jede Aktie wird wie eine ewige Rente betrachtet, nicht wie ein kurzfristiges Spekulationsobjekt.
Cash hält er für die unattraktivste Anlageklasse überhaupt - seine wikifolios sind praktisch immer voll investiert, weil Cash für ihn eine innere Rendite von null hat.
Beim Trump-Zollcrash im Frühjahr 2025 blieb er ruhig, während viele Anleger panisch verkauften: “Im Zweifel wäre für mir stark fallende Kurse immer ein Indiz: kaufen, wenn noch was geht.”
Beim Corona-Crash 2020 nahm er sogar einen Kredit auf, der eigentlich für einen Grundstückskauf gedacht war, und investierte ihn stückweise in den fallenden Markt.
Sein größter Anfängerfehler: 2011 kaufte er chinesische Small Caps, die sich später als reine “Luftnummern” mit unglaubwürdigen Zahlen entpuppten - seither hinterfragt er Bilanzen deutlich kritischer.
Anfang 2025 stand sein wikifolio Focused Yield Investing kurzzeitig auf Platz 1 von rund 10.000 wikifolios - einen Erfolg, den er selbst auch auf eine gute Portion Glück zurückführt.
Sein Leitsatz fürs aktive Investieren: “Gierig, wenn der Markt panisch ist, und ängstlich oder vorsichtig, wenn der Markt gierig ist.”
Die Story dahinter
Stefan Meißners Weg an die Börse begann 2009 auf Anraten seines BWL-Professors: Mit rund 1.000 Euro kaufte er seine ersten Aktien (Deutsche Bank und Porsche), kurz darauf sein erstes Buffett-Buch. Es folgten Jahre des Selbststudiums - 30 bis 40 Bücher über Value Investing, aus deren Essenz 2015 unbeabsichtigt sein eigenes Buch entstand. Sein größter Rückschlag kam 2011: Er kaufte chinesische Small Caps, die sich später als reine "Luftnummern" mit unglaubwürdigen Zahlen entpuppten - ein Lehrgeld, das ihn dazu brachte, Bilanzen seither deutlich kritischer zu hinterfragen. Ab 2020, als er nebenberuflich einen Vermögensverwalter beriet, kam er verstärkt mit der Bewertung von Anleihen in Kontakt - der gedankliche Ausgangspunkt für sein späteres System. Der entscheidende Impuls kam 2022 an einem konkreten Beispiel: die brasilianische Aktie Petrobras, die nach klassischer Bewertung nur mäßig attraktiv wirkte, aber eine Dividendenrendite von rund 20 Prozent bot. Daraus entwickelte er die Idee, die Bewertungsformel umzudrehen und direkt nach der höchsten "inneren Rendite" zu suchen statt nach einem inneren Wert. Ende 2023 veröffentlichte er sein wikifolio Global Yield Investing, während das bereits zuvor gestartete Focused Yield Investing zum Erfolgsprojekt wurde: Nach etwa einem Jahr wurde es "wikifolio der Woche" und stand Anfang 2025 kurzzeitig auf Platz 1 des gesamten Rankings.
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Das System
Märkte/Assets: Reine Aktienstrategie, weltweit diversifiziert über Kontinente und Branchen, mit Fokus auf Unternehmen zwischen etwa einer halben Milliarde und zehn Milliarden Euro Marktkapitalisierung - bewusst abseits der ganz großen, viel beachteten Standardwerte
Strategie: “Yield Investing” - seine eigens entwickelte Weiterentwicklung des Value Investing. Statt einen inneren Wert zu berechnen und mit dem Kurs zu vergleichen, wird die Discounted-Cashflow-Formel nach dem Diskontierungssatz aufgelöst - daraus ergibt sich eine “innere Rendite”, die direkt mit dem aktuellen Kurs verglichen wird. Bewertet werden dabei nur Dividenden und Aktienrückkäufe (”Rückflüsse”), nicht der bloß ausgewiesene Gewinn
Edge: Rund 15 Jahre eigene Systementwicklung, verbunden mit einem selbstgebauten Excel/VBA-Analysetool und einem festen monatlichen Workflow, der Emotionen aus Kaufentscheidungen heraushält - kombiniert mit der Bereitschaft, gezielt in unbeliebte, wenig beachtete Unternehmen (”hässliche Enten”) zu investieren
Entscheidungslogik: Monatlich werden rund 50 bis 100 Unternehmen neu bewertet und nach innerer Rendite gerankt; verkauft wird fast nie aus Angst, sondern fast immer nur, weil eine andere Aktie eine noch höhere innere Rendite bietet
Risiko: Kein Cash-Polster, dafür eine individuelle Risikokennzahl pro Unternehmen (Ausfallwahrscheinlichkeit), die Positionsgrößen begrenzt; Diversifikation über Länder und Branchen statt reiner Stückzahl-Diversifikation
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Der Mensch
Stefan Meißner beschreibt sich selbst als “sehr zahlenaffin” und betreibt seine Aktienanalyse bislang ausschließlich als Hobby und Nebenberuf - mit entsprechender Disziplin und einem festen monatlichen Rhythmus, den er auch in stürmischen Marktphasen einhält. Ganz emotionslos ist er dabei aber nicht: Bei starken Kursstürzen wie dem Trump-Zollcrash 2025 verspürt auch er “diesen leichten Schmerz”, wenn es drei Tage in Folge steil bergab geht - hält sich dann aber an ein Kostolany-Zitat, das er sich selbst vorsagt:
„Börsengewinne sind Schmerzensgeld, erst kommt der Schmerz, dann das Geld.”
Rückblickend würde er seinem Anfang-20-jährigen Ich vor allem mehr Demut raten - und den Hinweis, dass man mit einem Buch und einer Formel allein den Markt nicht einfach schlägt. Sein emotionalster Moment bleibt der Corona-Crash 2020: die gemeinsam mit seiner Frau getroffene Entscheidung, antizyklisch zu handeln, zahlte sich schneller aus, als er erwartet hatte.
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