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Kein ETF ist sicher: Die stillen Marktverzerrung durch ETF-Sparpläne

Investorella-Gründerin Larissa Kravitz erklärt, warum ETF-Sparer selbst zum Marktrisiko werden - und wie sie mit F-Score wissenschaftlich investiert.

„Ich glaube, dass sich dadurch schon Misspricings entwickeln.“

Larissa Kravitz, bekannt als Investorella, verfolgt einen ungewöhnlich wissenschaftlichen Investmentansatz: Scoring-Modelle wie den F-Score, Faktoren-Strategien und jahrelange eigene Sentiment-Forschung statt Bauchgefühl. Im Gespräch erklärt sie ihre These, warum massenhaftes, monatliches ETF-Sparen selbst zum systemischen Risiko wird - und erzählt eine der kuriosesten Anekdoten der Podcast-Geschichte über einen Astrologen, der halb Wall Street mit Mondphasen-Prognosen versorgt.

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Im Gespräch mit Larissa Kravitz über ETF-Klumpenrisiken, Scoring-Modelle und Sentiment-Analyse

Larissa Kravitz ist Gründerin von Investorella, studierte Quantitative Trading and Financial Engineering und verbindet 20 Jahre Kapitalmarkterfahrung - von der Aktienhändlerin bis zur Aufsichtsrätin - mit einem datengetriebenen Investmentansatz.

Kapitel:
00:00:00 - Einleitung: Werden ETF-Sparpläne selbst zum Marktrisiko?
00:03:53 - Die Gegenthese: Braucht es aktive Anleger für einen Klumpen?
00:08:26 - Aktiv vs. passiv: Wo die Grenze wirklich verläuft ⚡
00:16:55 - Mit 14 Jahren an der Börse: Dotcom-Boom und die erste Lektion
00:23:40 - Der Madoff-Fall und ein Congressional Hearing
00:38:29 - Wie man Sentiment aus Social-Media-Daten herausliest
00:41:30 - Ist KI das neue Sentiment?
00:54:22 - F-Score erklärt: Wie Joseph Piotrowski den Kennzahlen-Score entwickelte ⚡
01:01:59 - Goldmans Conviction Buy List als Inspirationsquelle
01:24:49 - Warum sie trotz Ineffizienz an Dividenden festhält
01:56:35 - Die Familiengeschichte: Zehn Jahre zu früh investiert
01:59:44 - 2007 short gegangen: Zu früh, aber richtig
02:08:17 - FOMO und das Bitcoin-Arrangement-Syndrom
02:14:14 - Warum sie vor allem ETF-Investing statt Einzelaktien lehrt
02:22:14 - Warum Optionsscheine für sie Zockerei sind
02:31:09 - Der Astrologe, der halb Wall Street beliefert ⚡
02:34:26 - Schlusswort: “Always do your research”

Aufnahmedatum: 7. August 2026

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Wer ist Larissa Kravitz? Von der Teenie-Zockerin zur quantitativen Investorin

Larissa Kravitz stammt aus einer börsenaffinen Familie und kaufte mit 14 Jahren ihre ersten Aktien - mitten im Dotcom-Boom, gefolgt vom Crash. Nach Studienabschlüssen in Bank- und Finanzwirtschaft sowie Quantitative Trading and Financial Engineering arbeitete sie als Aktien- und Derivatehändlerin, baute das Treasury Management für ein Solarenergie-Unternehmen auf und saß zuletzt im Aufsichtsrat eines börsennotierten Unternehmens. 2019 entstand Investorella eher zufällig aus einem Investment-Workshop für Frauen. Heute verfolgt sie einen wissenschaftlich-quantitativen Ansatz: Scoring-Modelle, Faktorenlehre und drei Jahre eigene Forschung zu Social-Media-Sentiment. Ihr Buch “Money, Honey!” erschien 2020.

Die Essenz der Folge: Larissa Kravitz’ wissenschaftlicher Blick auf die Märkte

  • Die ETF-These: Millionen Anleger, die monatlich in dieselben marktkapitalisierungsgewichteten Indizes sparen, verstärken die Konzentration in den größten Titeln - die Top-10-Gewichtung im S&P 500 stieg von 27 Prozent (2000er) auf aktuell 37 Prozent.

  • F-Score statt Bauchgefühl: Der von Accounting-Professor Joseph Piotrowski entwickelte Score bewertet Unternehmen anhand von neun Bilanzkennzahlen - je höher der Score, desto wahrscheinlicher steigt der Kurs im Folgejahr.

  • Kein Fan von Optionsscheinen: “Ziemlich Safe-Zockerei”, so ihr Urteil - ihr größtes Problem: die Abhängigkeit vom Market Maker.

  • FOMO als größte Gefahr: “FOMO halte ich für eine der größten Gefahren üam Kapitalmarkt” - neben Overconfidence einer der stärksten Markttreiber, den sie selbst schon erlebt hat.

  • Dividenden trotz Ineffizienz: Obwohl ihr klar ist, dass Dividenden steuerlich und finanzmathematisch ineffizient sind, hält sie an einem separaten Dividendenportfolio fest - wegen des Alltagsnutzens des passiven Einkommens.

  • Lehrfokus ETF statt Einzelaktien: Sie unterrichtet bewusst vor allem ETF-Investing, weil ein gutes Einzelaktienportfolio faktisch ein Nebenjob ist.

  • Die Astrologie-Anekdote: Ein Newsletter für 24.000 Dollar im Jahr, der Rohstoff-Trades nach Mondphasen empfiehlt - abonniert von Citi, Goldman Sachs, JP Morgan und Merrill Lynch.

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Zum Beispiel: Wie genau unterscheidet Larissa den G-Score vom F-Score? Was hat sie aus ihrem verfrühten Short 2007 mitgenommen? Wie geht sie mit einer Position um, die gegen ihre eigene Analyse läuft?

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Wie Larissa Kravitz ihren quantitativen Ansatz entwickelt hat

2007 stieß Larissa über einen Newsletter-Analysten auf Joseph Piotrowskis F-Score-Paper von 1997 - ursprünglich entwickelt, um Value-Fallen zu vermeiden. Parallel beschäftigte sie sich mit dem Backtesting von Trading-Strategien, inspiriert vom Klassiker “The Way of the Turtle” von Curtis Faith über die legendären Turtle Traders. Ihr Interesse an Sentiment-Analyse entstand mit dem Aufkommen von Social Media während ihres Master-Studiums - daraus wurden drei Jahre eigene Forschung zu Social-Media-Sentiment. Bereits 2007 ging sie short, weil sie einen Crash kommen sah - zu früh, wie sich zeigte, aber mit der richtigen Grundintuition.

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So funktioniert Larissa Kravitz’ quantitativer Investmentansatz

  • Modelle: F-Score (Piotrowski) und G-Score (Mohan Ram) zur Bewertung von Value- bzw. Wachstumstiteln, ergänzt um Faktoren-Strategien, Sentiment-Analyse, Whale Tracking und Congress Trading.

  • Portfolio-Struktur: Ein separates Dividendenportfolio für laufende Erträge trotz bekannter steuerlicher Ineffizienz, daneben ein offensiveres Wachstumsportfolio mit Momentum-Übergewichtig.

  • Ideenquelle: Bankenreports wie Goldmans Conviction Buy List dienen als Inspiration, nicht als direkte Kaufempfehlung - sie sieht darin auch einen möglichen Interessenkonflikt der Banken.

  • Community-Portfolio: Rund 18 Prozent IRR p.a., nicht öffentlich einsehbar.

  • Risiko-Haltung: Optionsscheine und stark marketmaker-abhängige Produkte meidet sie bewusst wegen mangelnder Preistreue.

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Larissa Kravitz als Investorin: Familie, Fehler und Overconfidence

Larissas Vater investierte in den späten 90ern in Online-Videotechnologie - zehn Jahre zu früh, wie sich erst mit dem Aufstieg von YouTube 2004 zeigte, und mit erheblichen Verlusten. Diese Erfahrung prägte Larissas eigenen Weg: Statt ihrem ursprünglichen Traum von Film und Regie zu folgen, entschied sie sich für den Finanzbereich, weil sie dort bereits Vorerfahrung hatte. 2007 saß sie in einer Bank in Prag, als die Kurse einbrachen, und erlebte früh, wie sich Overconfidence am Markt rächt - eine Beobachtung, die sie bis heute leitet.

„FOMO halte ich für eine der größten Gefahren am Kapitalmarkt.“

Ihr eigenes FOMO-Erlebnis beschreibt sie unumwunden, ebenso das “Bitcoin-Arrangement-Syndrom” - das Gefühl, bei Trend-IPOs und schnellen Kursbewegungen als konservativer, quantitativer Investor systematisch etwas zu verpassen. Am Ende bleibt ihr Leitsatz denkbar einfach.

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